Totopokalfinale DJK Dollnstein – FC Wendelstein

So schön kann der Amateurfußball sein….

Am Dienstagabend durfte ich Zeuge eines wahnsinnig, ja berauschenden, von der ersten bis zur letzten Sekunde fantastischen Fußballspiels sein.

Die Protagonisten dieses Fußballkrimis, zu dem Alfred Hitchcock wohl das Drehbuch geschrieben hatte, waren zwei Teams aus dem Fußballkreis Neumarkt/Jura, die sich im Endspiel des Toto-Pokals duellierten und dabei den Zuschauern alles boten, was der liebe Fußballgott nun mal für das Spiel erfunden hat: Kampf, Dramatik, Enttäuschung, Enthusiasmus, Freudentaumel und Spannung pur. Es ließen sich wohl noch einige mehr an solch emotionalen Begriffen finden, würde man sie in der reichen Wörterkiste unserer Sprache suchen.

Es war angerichtet in der Burgsteinarena: Eine stattliche Kulisse, ein Schiedsrichtergespann der Extraklasse mit Prof. Dr. Sven Laumer als Hauptschiedsrichter. Mit den Einlaufkids an der Hand schritten die Matadoren bei angenehmen Fußballwetter ein, riefen anschließend auf zu Toleranz, Brüderlichkeit sowie gegen Fremdenfeindlichkeit und die Bayernhymne sorgte für absolutes Gänsehautfeeling schon zu Beginn. Man spürte: Hier liegt was in der Luft. Es sollte der TAG werden! Der TAG der DJK Dollnstein!

Die DJK Dollnstein (Kreisklasse) und der FC Wendelstein (Kreisliga) hatten sich für das Finale qualifiziert, dessen Sieger sich nicht nur auf ein staatliches Preisgeld freuen durfte, sondern – und dies ist wohl der Traum eines jeden Amateurfußballers – auch mit dem Einzug in die 1. BFV-Hauptrunde belohnt werden würde.

Beide Teams, in ihren Ligen jeweils im ganz oberen Drittel der Tabelle zu finden, schenkten sich nichts. Von Beginn an dominierte der klassenhöhere Gast aus Mittelfranken das Spielgeschehen, doch im Laufe der Partie legte der vermeintliche Underdog aus Dollnstein immer mehr die Scheu ab und brachte vor allem in der 2. Halbzeit den Gegner an den Rand einer Niederlage. Vor allem auch deshalb, weil Torwart Michael Mayr unheimlich viel Ruhe und Sicherheit ausstrahlte und mit tollen Paraden frühzeitig einen Rückstand verhinderte. Aber es wäre zu kurz gegriffen, die Leistung der DJK´ler nur an einer Person festzumachen, denn die gesamte Mannschaft bot eine kämpferisch wie auch spielerisch grandiose Leistung. Umso ärgerlicher die Situation kurz vor Ende, als sich alles bereits auf ein Elfmeterschießen einstellte.

Als in der 87. Minute der FC Wendelstein nach einem – nennen wir es mal vorsichtig – suboptimalen Pass eines DJK´lers in der eigenen Hälfe mit einem satten, flachen 20-Meter Schuss ins linke untere Toreck in Führung ging, war für die Wendelsteiner klar: Der im Bus mitgebrachte Alkohol wird heute vernichtet und die Fete kann beginnen. Doch man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben oder die Rechnung nicht ohne den Wirt machen.

Die DJK Dollnstein legte etwas in die Waagschale, was große Mannschaften auszeichnet: eine unglaubliche mentale Stärke! Kein Spieler ließ den Kopf hängen, gab auf oder wollte sich mit der drohenden Niederlage abfinden. Im Gegenteil: Mit einer unglaublichen Willensstärke wurde in den letzten Minuten alles herausgehauen, was nach den 90 Minuten noch an Kraft und Energie vorhanden war. Da das Glück laut Sprichwort in der Regel dem Tüchtigen hilft, sollte es an diesem legendären Abend auch einen Namen bekommen. In Form von Stefan Rehm, dem das Kunststück gelang, in der 91. Minute den Ball über die Linie des Wendelsteiner Tores zu bugsieren, personifizierte sich das Fußballglück. Spieler und Zuschauer, sofern ihr Herz für die DJK schlug, waren euphorisiert. Vor der malerischen Kulisse des Martersfelsen oblag es dem „Maler“ selbst, die Dramatik hochzuhalten.

Elfmeterschießen! Inzwischen hatte sich auch der Martersfelsen in sein schönstes Gewand gekleidet. Die Abendsonne umschmeichelte die unsagbar prachtvolle Naturschönheit und der Fels machte seinem Namen als malerische Kulisse alle Ehre. Schaute man genauer hin, konnte man die Vermutung hegen, dass ihm ein Lächeln auskam.

Und dieses fröhliche Gesicht sollte sich nach einem brillanten Elfmeterschießen noch vergrößern. Alle Spieler der DJK behielten die Nerven und verwandelten ihre Elfmeter bombensicher. Im Gegensatz zu einem Wendelsteiner, dem Michi Mayr den Nerv raubte.

Als Manuel Bittlmayer um 19.23 Uhr den letzten Elfmeter verwandelte, kannten Freude und Jubel keine Grenzen mehr. Das Stadion am Burgsteinweg glich einem verrückten Tollhaus, in dem sich Spieler und Fans in den Armen lagen. Sogar der Bürgermeister und der Bezirksrat aus Schernfeld stürmten aufs Spielfeld, um die Spieler zu beglückwünschen und zu herzen. Man hatte sprichwörtlich für eine Fußballsensation gesorgt, die – und darin waren sich alle Fußballexperten einig – an diesem Tag aber auch so was von verdient war.

700 € gingen dann auch die Vereinskasse. Doch was vielmehr wiegt, das sind die Träume, die die Spieler und die Fans der DJK nun hegen dürfen, wer wohl der Gegner in der BFV-Hauptrunde sein wird: TSV 1860 München, TSV Unterhaching, Kickers oder FV 04 Würzburg, Wacker Burghausen, VfB Eichstätt….. Klanvolle Namen aus der „Belle Etage“ des bayerischen Fußballs. Die Chancen stehen sogar gut, dass man einen Hochkaräter erwischt. Der Kreissieger hat dort die Möglichkeit, in ausgeloster Reihenfolge seinen Wunschgegner entsprechend seiner Regionalzone auszusuchen. Die 1. BFV-Hauptrunde findet am Di./Mi., den 7./8. August statt.

Danke, liebe DJK´ler für diesen wundervollen Fußballabend, den ihr uns beschert habt. Mit diesem Spiel und diesem großartigen Erfolg habt ihr Geschichte geschrieben, genauso wie die DJK´ler, die 1969 im Augsburger Rosenaustadion Deutscher DJK Meister wurden. Es sind noch 11 Runden bis Berlin. Aber genau 50 Jahre nach dem Gewinn der deutschen DJK-Meisterschaft den DFB-Pokalsieg im Berliner Olympiastadion zu erringen, das wär doch was! Träumen darf man ja wohl…..

Bericht von Edgar Mayer, Fotos von Stefan Schramm.